Journal · Webentwicklung

WordPress, Webflow oder eigene Entwicklung: was Ihnen danach gehört.


WordPress, Webflow, Wix oder individuelle Entwicklung: Was nehmen Sie nach dem Projekt mit – Inhalte, Design, Code? Ein Vergleich nach dem, was bleibt.

20.09.2026 · Oliver Weber 7 Min. Lesezeit

Nach dem Projekt gehört Ihnen bei jeder Bauweise etwas anderes: Bei einem Baukasten die Inhalte, bei Webflow zusätzlich ein exportierter Stand der Seite, bei WordPress die vollständige Installation, bei eigener Entwicklung der Quellcode samt allem, was ihn umgibt. Welche Antwort für Sie richtig ist, hängt davon ab, wie lange die Seite leben soll und wer sie in fünf Jahren pflegen wird.

Die meisten Vergleiche dieser Systeme fragen, womit sich am schnellsten bauen lässt. Das ist die Frage des ersten Monats. Dieser Beitrag stellt die Frage des fünften Jahres: Was bleibt, wenn Sie den Anbieter, die Agentur oder das Werkzeug wechseln?

Zwei Dinge, die auseinandergehalten werden müssen

Wenn jemand sagt „Sie können jederzeit exportieren”, meint er fast immer die Inhalte: Texte, Bilder, Blogbeiträge, Produkte. Das ist wertvoll, aber es ist nicht die Website.

Die Website ist der Aufbau: Seitenstruktur, Gestaltung, Navigation, Formulare, die Verbindung zur Terminbuchung. All das entsteht im Werkzeug und ist an das Werkzeug gebunden, es sei denn, die Bauweise erlaubt es, den Aufbau mitzunehmen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Kann ich die Seite woanders genau so weiterbetreiben, ohne sie neu zu bauen?

Die Übersicht

Stand September 2026. Die Anbieter ändern ihre Bedingungen; prüfen Sie die Details vor einer Entscheidung auf deren Seiten.

Bauweise Inhalte mitnehmen Aufbau mitnehmen Laufende Gebühr
Wix, Jimdo teilweise; Seitentexte oft von Hand nein ja
Squarespace ja, als Export nein ja
Webflow ja teilweise: Code-Export als eingefrorene Seite ja, solange sie bei Webflow liegt
Shopify ja Design ja, Shop nein ja
WordPress ja, vollständig ja, die ganze Installation nur für gekaufte Themes und Plugins
Eigene Entwicklung ja ja, der Quellcode nein

Die Tabelle zeigt nur, was Sie am Ende in der Hand haben. Wer danach weiterbauen kann, steht bei jeder Bauweise weiter unten. Ein Baukasten mit „nein” beim Aufbau kann für ein Restaurant, das in einem Jahr ohnehin neu gestalten will, völlig richtig sein. Dasselbe „nein” ist für eine Kanzlei, die die Seite zehn Jahre betreiben will, ein Problem.

Baukästen: Sie mieten die Seite

Wix, Jimdo und Squarespace sind Mietmodelle. Sie zahlen monatlich, und solange Sie zahlen, läuft die Seite. Es gibt keinen Quellcode, den man Ihnen geben könnte; die Seite existiert als Datensatz auf den Servern des Anbieters.

Was Sie mitnehmen können, sind Ihre Inhalte. Squarespace bietet dafür einen Export, der Seiten und Blogbeiträge in eine Datei schreibt. Bei Wix und Jimdo ist es je nach Inhaltstyp ein Export oder das Kopieren von Hand. Bilder sollten Sie ohnehin im Original behalten, weil die Plattformen sie verkleinern.

Der Umzug von einem Baukasten ist deshalb immer ein Neubau. Baukästen passen deshalb zu Seiten, deren Neubau nicht wehtut.

Webflow: der Sonderfall mit dem halben Ausweg

Webflow ist ein Baukasten, der etwas Ungewöhnliches erlaubt: den Export des Codes. Bei einem bezahlten Plan können Sie die Seite als HTML, CSS und JavaScript herunterladen und auf jedem beliebigen Server betreiben.

Das ist mehr, als die anderen bieten, aber weniger, als es klingt. Der Export ist ein eingefrorener Stand. Das Redaktionssystem, die Formulare und der Shop funktionieren außerhalb von Webflow nicht; die Sammlungen kommen als Tabellen, nicht als bearbeitbares System. Sie haben also die Seite, aber nicht mehr das Werkzeug, mit dem sie gepflegt wurde. Wer danach etwas ändern will, arbeitet direkt im exportierten Code oder baut in einem anderen System neu.

Für eine Seite, die selten geändert wird, ist das ein brauchbarer Ausweg. Für eine Seite mit Blog, Stellenanzeigen oder wechselnden Angeboten ist der Export eine Sicherung, kein Umzug.

WordPress: Sie besitzen die Installation, aber prüfen Sie die Bauteile

WordPress ist freie Software. Sie können die vollständige Installation, also alle Dateien und die Datenbank, auf jeden Server ziehen, der PHP und MySQL bietet. Es gibt keine Plattformgebühr, und es gibt mehr Entwickler dafür als für jedes andere System.

Auf dem Papier ist das die beste Ausgangslage. In der Praxis hängt sie davon ab, was in der Installation steckt.

Viele WordPress-Seiten sind mit einem gekauften Theme und einem Seitenbaukasten wie Elementor oder Divi gebaut. Beides läuft auf Ihrem Server, aber:

  • Die Lizenz liegt oft im Konto der Agentur. Ohne sie gibt es keine Updates.
  • Der Aufbau ist im Format des Seitenbaukastens gespeichert. Wer ihn abschaltet, sieht statt der Seite einen Wust aus Kürzeln.
  • Ein anderer Entwickler kann die Seite pflegen, aber nur, wenn er denselben Seitenbaukasten kennt und bezahlt.

Eine WordPress-Seite mit eigenem, schlank geschriebenem Theme hat diese Probleme nicht. Sie ist dann in der Sache eine eigenentwickelte Seite mit WordPress als Redaktionssystem. Fragen Sie deshalb genauer: Welches Theme, welcher Seitenbaukasten, welche Plugins, und wer hält die Lizenzen?

Eigene Entwicklung: Sie besitzen die Werkstatt

Bei einer selbst entwickelten Seite bekommen Sie den Quellcode, also die Dateien, aus denen die Seite gebaut wird, nicht nur das Ergebnis. Dazu die Zugänge zu Domain und Hosting auf Ihrem Namen und einen Aufschrieb, der beschreibt, wie die Seite zusammengesetzt ist. Was das im Einzelnen umfasst, steht im Beitrag Wem gehört der Quellcode meiner Website?

Damit sind Sie an niemanden gebunden. Die Seite läuft auf jedem passenden Server, und jeder Entwickler, der die eingesetzten Werkzeuge kennt, kann weitermachen.

Der Haken steckt im letzten Halbsatz. „Die eingesetzten Werkzeuge kennt” ist bei HTML, CSS und einem verbreiteten Aufbau-Werkzeug kein Hindernis. Bei einer Eigenentwicklung, die nur ihr Erfinder versteht, ist es eines. Eigene Entwicklung ist also nur dann die freieste Bauweise, wenn sie mit verbreiteten Mitteln geschieht. Fragen Sie, womit gebaut wird, und ob Sie den Namen des Werkzeugs in einer Stellenanzeige finden würden.

Vier Fragen für Ihre Entscheidung

  1. Wie lange soll die Seite in dieser Form leben? Unter zwei Jahren: Ein Baukasten ist vertretbar. Länger: Sie sollten den Aufbau mitnehmen können.
  2. Wie oft ändern sich die Inhalte? Täglich bis wöchentlich: Sie brauchen ein Redaktionssystem, das mitzieht, also WordPress oder ein eigenes. Monatlich: Eine schlanke Seite mit Pflege per E-Mail reicht oft.
  3. Wer soll in fünf Jahren daran arbeiten können? Wenn die Antwort „irgendein Entwickler” lautet, scheiden geschlossene Editoren aus.
  4. Was passiert, wenn der Anbieter die Preise verdoppelt oder das Produkt einstellt? Bei Miete: Neubau. Bei Besitz: Serverwechsel.

Wenn Sie die vier Antworten haben, steht die Bauweise meistens fest. Der Rest ist Gestaltung.

Wo wir stehen

Wir bauen Unternehmensseiten in der Regel als statische Seiten aus handgeschriebenem Code: schnell, sicher, und ohne ein System, das laufend gepflegt und bezahlt werden muss. Braucht ein Projekt ein Redaktionssystem, setzen wir WordPress ein, dann aber mit eigenem Theme und ohne gekauften Seitenbaukasten, damit die Installation das bleibt, was sie sein soll: Ihre.

In beiden Fällen gilt, was in unseren AGB unter § 6 steht: vollständiger Quellcode, ausschließliche Nutzungsrechte, Domain und Hosting auf Ihren Namen, keine Lizenzgebühren an uns.

Häufige Fragen zu Bauweise und Eigentum

Kann ich von Wix zu WordPress umziehen?

Die Inhalte ja, die Seite nein. Sie exportieren, was sich exportieren lässt, und bauen die Seite in WordPress neu. Planen Sie das als Neubau, nicht als Umzug, und richten Sie Weiterleitungen für alle alten Adressen ein.

Ist Webflow ein Baukasten?

Ja, mit dem Unterschied, dass sich der Code exportieren lässt. Für die tägliche Arbeit sind Sie an Webflow gebunden; für den Notfall haben Sie einen Ausweg, den Wix und Squarespace nicht bieten.

Ist WordPress sicherer als ein Baukasten?

Weder noch. Ein Baukasten wird vom Anbieter gepflegt, eine WordPress-Installation von Ihnen oder Ihrer Agentur. Ungepflegtes WordPress ist eine der häufigsten Ursachen für gehackte Seiten; gepflegtes WordPress ist so sicher wie jedes andere System.

Was ist mit Shopify für einen Shop?

Shopify ist für Shops das, was Wix für Seiten ist: Miete mit gutem Werkzeug. Sie bekommen Produktdaten und Design heraus, aber der Shop läuft nur bei Shopify. Wer das weiß und die Gebühr einrechnet, trifft eine vertretbare Entscheidung.

Lohnt sich eigene Entwicklung für eine kleine Seite?

Wenn die Seite lange leben soll und sich selten ändert, oft ja: Sie kostet einmal und danach nur das Hosting. Wenn sie in einem Jahr ohnehin neu gedacht wird, meistens nein.


Weiterführend: Entwicklung · Website ohne Baukasten · Bestehende Website übernehmen

Nächster Schritt

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