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Vendor Lock-in: wenn der Wechsel des Anbieters zu teuer wird.


Vendor Lock-in bei Websites: fünf Formen der Abhängigkeit, ein Selbsttest mit acht Fragen und der Weg heraus, ohne Adresse und Sichtbarkeit zu verlieren.

20.09.2026 · Oliver Weber 6 Min. Lesezeit

Vendor Lock-in bedeutet, dass ein Wechsel des Anbieters so teuer oder aufwendig wäre, dass Sie faktisch bleiben müssen, auch wenn Sie nicht mehr wollen. Bei Websites entsteht diese Abhängigkeit selten durch einen einzelnen Vertrag. Sie entsteht aus vier, fünf kleinen Bequemlichkeiten, die jede für sich vernünftig waren.

Der Begriff klingt nach Konzern-IT. Er betrifft aber jede Praxis, jeden Betrieb und jedes Studio mit einer Website. Wer schon einmal versucht hat, eine fünf Jahre alte Seite zu einer anderen Agentur mitzunehmen, kennt das Gefühl: Die Domain läuft auf einen fremden Namen, das Design existiert nur im Editor des Anbieters, und die einzige Person, die weiß, wie das Kontaktformular funktioniert, antwortet nicht mehr auf E-Mails.

Die fünf Formen, in denen Lock-in bei Websites auftritt

Sie kommen selten einzeln. Meistens greifen zwei oder drei ineinander.

1. Plattform-Lock-in. Die Seite existiert nur bei einem Anbieter. Wix, Jimdo, Squarespace, Shopify: Es gibt keinen Code, den man mitnehmen könnte. Kündigen heißt neu bauen. Das ist die bekannteste Form und die am wenigsten versteckte.

2. Daten-Lock-in. Die Inhalte sind da, aber nicht herauszubekommen. Ein Blog mit dreihundert Beiträgen ohne Exportfunktion. Kundendaten in einem Buchungssystem, das keinen Export erlaubt. Bilder, die nur verkleinert vorliegen, weil die Originale nie gesichert wurden.

3. Vertrags-Lock-in. Domain oder Hosting laufen auf den Namen der Agentur. Eine Mindestlaufzeit von 24 Monaten. Nutzungsrechte, die an den Betreuungsvertrag geknüpft sind. Diese Form ist die gefährlichste, weil sie im Kleingedruckten steht und erst beim Wechsel sichtbar wird.

4. Wissens-Lock-in. Alles gehört Ihnen, aber niemand außer der ursprünglichen Entwicklerin versteht es. Kein Aufschrieb, keine Struktur, ein selbstgebautes System ohne Namen. Der nächste Entwickler sagt nach zwei Tagen, er würde lieber neu bauen. Damit ist der Code wertlos, obwohl er Ihnen gehört.

5. Technik-Lock-in. Die Seite ist an ein Werkzeug gebunden, das kaum jemand beherrscht oder das der Hersteller einstellen kann. Ein exotischer Seitenbaukasten, ein Plugin, das seit drei Jahren kein Update bekam, ein Theme, dessen Hersteller verschwunden ist.

Die erste Form fällt jedem auf. Die dritte und vierte kosten am meisten Geld.

Warum Lock-in nicht immer falsch ist

Abhängigkeit ist der Preis für Bequemlichkeit, und dieser Preis kann angemessen sein. Ein Café, das seine Seite in einem Nachmittag mit Squarespace baut und in zwei Jahren ohnehin neu gestalten will, zahlt mit dem Lock-in für Geschwindigkeit. Das ist ein fairer Tausch, solange er bewusst geschieht.

Problematisch wird Lock-in in zwei Fällen: wenn er ungewollt entstanden ist, und wenn die Seite länger leben soll als die Beziehung zum Anbieter. Eine Kanzlei, ein Handwerksbetrieb, eine Praxis: Diese Seiten laufen zehn Jahre, und in zehn Jahren wechselt fast jeder mindestens einmal die Agentur.

Die richtige Frage lautet also: Welche Abhängigkeit gehe ich ein, und weiß ich, was der Ausstieg kostet?

Der Selbsttest: acht Fragen

Beantworten Sie jede Frage mit Ja oder Nein. Jedes Nein ist eine Stelle, an der Sie festhängen.

  1. Läuft die Domain auf Ihren Namen, und können Sie sich bei der Domain-Verwaltung anmelden?
  2. Läuft das Hosting auf Ihren Namen, mit Zugangsdaten, die Sie kennen?
  3. Haben Sie den Quellcode oder eine vollständige Sicherung der Seite in Ihrer eigenen Ablage?
  4. Steht im Vertrag, dass Sie das Ergebnis ausschließlich, unbefristet und mit Bearbeitungsrecht nutzen dürfen?
  5. Gibt es einen Aufschrieb, mit dem eine fremde Entwicklerin die Seite innerhalb eines Tages versteht?
  6. Können Sie alle Inhalte exportieren, einschließlich Bilder in Originalgröße?
  7. Können Sie den Betreuungsvertrag kündigen, ohne dass die Seite abgeschaltet wird?
  8. Würden Sie das Werkzeug, mit dem die Seite gebaut ist, in einer Stellenanzeige für Webentwickler wiederfinden?

Null bis ein Nein: Sie sind frei. Zwei bis drei: Klären Sie die Punkte jetzt, solange die Beziehung gut ist. Vier oder mehr: Beginnen Sie mit Frage 1, heute.

Was der Ausstieg kostet

Konkrete Beträge hängen von der Seite ab, aber die Logik ist immer dieselbe: Was Sie nicht mitnehmen können, müssen Sie neu bauen. Bei einem Baukasten ist das die ganze Seite. Bei einer WordPress-Seite mit gekauftem Seitenbaukasten ist es der Aufbau, während die Inhalte bleiben. Bei einer individuell entwickelten Seite mit Aufschrieb ist es im besten Fall nichts, nur der Umzug auf einen anderen Server.

Dazu kommen die Kosten, die niemand einplant: die Zeit für das Einsammeln der Zugänge, die Verhandlung über eine Domain, die auf den falschen Namen läuft, und die Sichtbarkeit bei Google, die verloren geht, wenn beim Neubau die alten Adressen ins Leere laufen. Der letzte Punkt ist der teuerste und der am leichtesten vermeidbare; wie Weiterleitungen das verhindern, steht auf der Seite Bestehende Website übernehmen.

Der Weg heraus, in der richtigen Reihenfolge

Wenn Sie im Selbsttest schlecht abgeschnitten haben, ist die Reihenfolge wichtiger als das Tempo.

  1. Domain sichern. Lassen Sie sie auf Ihren Namen übertragen, bevor Sie irgendetwas anderes ansprechen. Die Domain ist die Adresse, unter der Kunden Sie finden; alles andere lässt sich ersetzen.
  2. Zugänge einsammeln. Hosting, E-Mail, Google-Konten, Buchungssysteme. Schriftlich anfordern, und die Passwörter danach ändern.
  3. Inhalte sichern. Texte, Bilder in Originalgröße, Blogbeiträge, Produktdaten. Auch wenn der Export unvollständig ist: Was Sie jetzt haben, muss später niemand mehr abtippen.
  4. Rechte klären. Wenn im Vertrag nichts zu Nutzungsrechten steht, lassen Sie sich die Übertragung nachträglich bestätigen. Viele Agenturen unterschreiben das ohne Diskussion.
  5. Erst dann neu bauen oder umziehen. Mit einer Liste aller alten Adressen und einer Weiterleitung für jede.

Wer die Schritte in dieser Reihenfolge geht, verliert beim Wechsel Zeit, aber weder Adresse noch Inhalte noch Sichtbarkeit.

Wie wir Lock-in vermeiden, und wo wir ehrlich sein müssen

Wir bauen so, dass jede der acht Fragen mit Ja beantwortet werden kann: Domain und Hosting auf Ihren Namen, vollständiger Quellcode in Ihrem Repository, ausschließliche Nutzungsrechte in den AGB unter § 6, ein Aufschrieb bei der Übergabe, verbreitete Werkzeuge statt eigener Erfindungen. Die Pflege ist monatlich kündbar, und ohne sie läuft die Seite weiter.

Eine Abhängigkeit bleibt, und wir nennen sie lieber selbst: das Wissen. Wer eine Seite gebaut hat, kennt sie besser als jeder, der sie später übernimmt. Der Aufschrieb ist unser Mittel dagegen, aber er ersetzt nicht die Erfahrung. Deshalb ist es uns lieber, Sie bleiben, weil die Arbeit gut ist, und nicht, weil der Wechsel wehtut. Das ist der einzige Lock-in, den wir uns wünschen.

Häufige Fragen zu Vendor Lock-in

Ist WordPress Vendor Lock-in?

WordPress selbst nicht; es ist freie Software und läuft überall. Lock-in entsteht durch das, was darauf gebaut wird: gekaufte Themes, Seitenbaukästen und Plugins mit Lizenzen, die jemand anders hält.

Ist eine Agentur mit eigenem System automatisch Lock-in?

Meistens ja, wenn „eigenes System” heißt, dass niemand außerhalb der Agentur es kennt. Fragen Sie, ob Sie die Seite mit einem beliebigen anderen Entwickler weiterbetreiben könnten. Wenn die Antwort zögerlich kommt, haben Sie Ihre Antwort.

Mein Anbieter sagt, ich kann jederzeit exportieren. Reicht das?

Fragen Sie, was genau. Inhalte exportieren können fast alle; die Seite mitnehmen können wenige. Lassen Sie sich den Export einmal zeigen, bevor Sie ihn brauchen.

Ist ein Betreuungsvertrag Lock-in?

Nur, wenn er die Seite als Geisel nimmt: Mindestlaufzeit, Nutzungsrechte nur während der Laufzeit, Abschaltung bei Kündigung. Ein monatlich kündbarer Vertrag, nach dessen Ende die Seite weiterläuft, ist eine Dienstleistung, keine Abhängigkeit.

Ich habe alle acht Fragen mit Nein beantwortet. Wo fange ich an?

Bei der Domain. Alles andere ist ersetzbar; die Adresse, unter der Sie seit Jahren gefunden werden, nicht. Danach die Zugänge, dann die Inhalte. Der Neubau kommt zuletzt.


Weiterführend: Wem gehört der Quellcode meiner Website? · Website ohne Baukasten · Pflege & Support

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